🐢 Slow Travel statt Reisen im Dauerstress: Warum wir heute bewusst langsamer reisen

Warum wir heute bewusst langsamer reisen, weniger Orte einplanen und dafür intensiver erleben. Persönliche Erfahrungen, Vorteile & Tipps für nachhaltiges Reisen.

TIPPS

Jenny 🙋🏼‍♀️

1/18/20265 min read

Früher war Reisen für mich mehr eine To-do-Liste: „So viele Orte wie möglich in zwei Wochen sehen“, „unbedingt die Top-10-Sehenswürdigkeiten abhaken“ und „je mehr Fotos, desto besser“. Meine ersten Reisen waren vollgestopft mit Programm, bei dem ich kaum zum Durchatmen kam. Am Ende war ich zwar überall gewesen, aber so richtig erlebt habe ich wenig.

Heute reisen wir anders als früher. Nicht mehr getrieben von Sehenswürdigkeiten oder dem Gefühl, alles sehen zu müssen. Stattdessen geht es uns um Zeit, um Ruhe und darum, Orte wirklich zu erleben – nicht nur kurz da gewesen zu sein. Für uns ist Reisen inzwischen Alltag geworden. Und natürlich reist man anders, wenn man nicht nur ein paar Wochen oder drei Monate Zeit hat, sondern länger unterwegs ist. Genau daraus ist Slow Travel für uns entstanden: bewusster, langsamer und nachhaltiger zu reisen und sich dabei wirklich auf Orte und Menschen einzulassen.

Gestresst vom Reisen

Und ja, ich habe viel gesehen. Aber ich war auch oft gestresst. Ich hatte permanent das Gefühl, hinter meinem eigenen Anspruch herzurennen. Alles unter einen Hut zu bekommen war anstrengend und irgendwann habe ich gemerkt: So macht mir Reisen keinen Spaß mehr.

Irgendwann kam dieser Punkt, an dem ich festgestellt habe, dass ich die Lust am Reisen verloren habe. Und das nur, weil ich vom reisen einfach gestresst war. Ich hab die Freude verloren, neue Länder zu entdecken. War unzufrieden, dass ich meine Gesundheit beim reisen vernachlässigt habe und mir einfach alles zu viel wurde.

Da habe ich angefangen, mich zu fragen: Warum mache ich das eigentlich so? Warum glaube ich, ein Land nur dann „richtig“ kennenzulernen, wenn ich alle Sehenswürdigkeiten gesehen habe? Spoiler: Du hast das Land nicht gesehen, nur weil du alle Sehenswürdigkeiten entdeckt hast. Beim Reisen in neue Länder gehts eigentlich um was ganz anderes: In die Kultur einzutauchen, die Menschen vor Ort kennenzulernen und zu erfahren, wie der Alltag im Land wirklich ist.

Also habe ich angefangen, den Druck rauszunehmen. Mich nicht schlecht zu fühlen, weil ich DAS Must-see im Land eben nicht gesehen habe. Dafür habe ich ganz andere Dinge gesehen und kennengelernt: Das Land, wie es wirklich ist. Die Freundlichkeit der Menschen abseits der Touristen-Hotspots. Und das ist für mich so viel mehr wert!

Slowtravel
Slowtravel

Wenn ich an meine früheren Reisen zurückdenke, erinnere ich mich vor allem an Tempo. Ich war ständig unterwegs, habe alle paar Tage den Ort gewechselt und versucht, möglichst viel aus jedem Land herauszuholen. Alle Must-do-Sehenswürdigkeiten sehen, zwischendurch arbeiten, neue Leute kennenlernen, auf meine Gesundheit achten, Sport machen, gut essen – und am besten alles gleichzeitig.

Ich wollte nichts verpassen. Also bin ich immer weitergezogen. Oft so schnell, dass ich morgens erst einmal überlegen musste, in welcher Stadt ich eigentlich aufgewacht bin. Der Ortswechsel war mein Normalzustand, Ruhe eher die Ausnahme.

Was bedeutet Slow Travel eigentlich?

Slow Travel heißt nicht, dass du im Schneckentempo reist oder nur noch einen Ort pro Land entdeckst. Es bedeutet vielmehr: bewusst reisen, weniger Orte besuchen, dafür länger bleiben, Kultur und Menschen kennenlernen und dir Zeit für echte Erlebnisse nehmen.

Statt „3 Länder in 10 Tagen“ heißt es: „Ein Land in 4 Wochen“. Statt „morgen noch schnell weiter“, heißt es: „noch eine Nacht bleiben, weil es mir hier gefällt“. Statt nur Sehenswürdigkeiten zu fotografieren, heißt es: in einem Café sitzen, mit den Locals quatschen und einfach nur beobachten.

Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass ich ein Land nicht dadurch kennenlerne, dass ich jede Sehenswürdigkeit abhake. Ganz im Gegenteil. Ich lerne ein Land vor allem dann kennen, wenn ich langsamer unterwegs bin. Wenn ich länger an einem Ort bleibe. Wenn ich Routinen entwickle. Wenn ich Menschen nicht nur kurz treffe, sondern öfter sehe. Ein Stamm-Cafe für die Zeit vor Ort habe (und die Freude der Menschen zu sehen, weil ich jeden tag dort meinen Kaffee trinke). Wenn ich Zeit habe, Gespräche zu führen, den Alltag zu beobachten und wirklich anzukommen.

Slow Travel bedeutet für mich nicht, nichts zu tun - auch wenn das, auch mal schön sein kann :D
Es bedeutet, mir den Druck zu nehmen. Nicht alles sehen zu müssen. Nicht ständig weiterziehen zu müssen, weil' alle so machen. Sondern bewusst zu entscheiden, wo ich bleiben möchte und dann gerne auch länger und dafür intensiver.

Die Vorteile von Slow Travel

1. Nachhaltigkeit
Weniger Flüge, längere Aufenthalte und lokale Unterkünfte statt großer Hotelketten – Slow Travel ist für uns ganz automatisch nachhaltiger. Wenn wir statt zehn Flügen nur ein oder zwei nehmen, sparen wir nicht nur Geld, sondern auch eine Menge CO₂.
Am liebsten reisen wir inzwischen mit dem Zug. Das ist nicht nur deutlich entspannter, sondern auch umweltfreundlicher als Fliegen. Dadurch, dass wir langsamer unterwegs sind und mehr Zeit haben, können wir bewusst auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen – Züge, Busse oder Fähren – und sehen dabei oft viel mehr vom Land als aus dem Flugzeugfenster. Genau diese Strecken zwischen den Orten machen für uns einen großen Teil des Erlebnisses aus.

2. Weniger Stress

Kennst du das Gefühl, wenn du nach dem Urlaub eigentlich Urlaub brauchst? Slow Travel ist das Gegenteil. Du hetzt nicht, du musst nicht ständig planen und organisieren. Du hast Zeit, wirklich anzukommen. Zeit, dich einfach mal in die Sonne zu legen und ein Buch zu lesen. Zeit, mal einen Tag absolut nichts zu machen - ganz ohne schlechtes Gewissen.

3. Tiefere Erlebnisse

Wenn du länger an einem Ort bleibst, lernst du die Kultur kennen. Du weißt, wo der beste Bäcker ist, wann die Nachbarskinder Fußball spielen oder wo die Oma am Straßenrand Obst verkauft. Das sind die Erinnerungen, die bleiben – nicht der zehnte Tempel...

4. Günstiger

Langsames Reisen spart oft Geld. Weniger Transportkosten, lokale Restaurants statt Touri-Hotspots, nicht jede "Must-Do-Sehenswürigkeit" mitnehmen, weil man sich irgendwie dazu gezwungen fühlt – all das, spart Geld und ermöglicht es dir, länger unterwegs zu sein.

5. Reisen & Arbeiten verbinden

Für digitale Nomad:innen und alle die online arbeiten ist Slow Travel ideal. Du brauchst Zeit und Routine, um Arbeit und Reisen unter einen Hut zu bringen. Und genau die bekommst du, wenn du länger an einem Ort bleibst. Du kannst dir ein Lieblingscafe zum arbeiten suchen, hast feste Zeiten und fühlst dich nicht gestresst, beides zu verbinden.

Tipps, wie auch du ohne schlechtes Gewissen langsamer reist:

→ Weniger Orte einplanen

Wenn du zwei Wochen Zeit hast, musst du nicht fünf Städte einbauen. Nimm dir lieber eine Region vor und erlebe sie dafür bewusster und intensiver.

Öffentliche Verkehrsmittel nutzen

Züge, Busse, Fähren – langsamer, aber nachhaltiger und viel authentischer. Oft sind es genau diese Fahrten, die die besten Geschichten schreiben.

In lokalen Unterkünften wohnen

Buche Homestays & kleine Gästehäuser – dort lernst du oft mehr über das echte Leben kennen, als im anonymen Hotel.

Alltag zulassen

Nicht jeder Tag muss spektakulär sein. Es ist okay, einfach mal im Café zu sitzen, zu arbeiten oder ein Buch zu lesen. Das ist Teil des Erlebnisses.

Digitale Detox-Momente

Natürlich will man Fotos machen – aber manchmal ist es schön, das Handy wegzulegen und nur zu genießen.

Bewusst nachhaltig handeln

Weniger Flüge, regionale Produkte kaufen, Wasserflasche wieder auffüllen – kleine Dinge, die große Wirkung haben.

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